Zur heute alltäglichen Realitätsverweigerung. Und; zu deren schlimmen Folgen für das Zusammenleben verschiedener und unterschiedlicher Menschen.

Von Lukas Rüefli

 

Es scheint, als ob die Orientierung an der Wirklichkeit heute ein Zeichen für „Menschenfeindlichkeit“ im Allgemeinen und „Menschenrechtsfeindlichkeit“ im Speziellen geworden ist. Alexander Meschnig schreibt: “Der Gesinnungsethiker darf jederzeit realitätsfremde Maximalforderungen und abstrakte Ideale wie eine Monstranz vor sich her tragen”. – Tatsächlich kommts einem wie eine Prozession vor; wer ihr folgt ist gut – politisch korrekt – halt, wer aber inne hält oder ausschert, die Richtung wechselt ist nicht gut, sondern beispielsweise ein  Menschrechtsverweigerer.  Abwägende Denker, die Ideen an der Realität abgleichen, um daraus gesellschaftlich Funktionierendes, Allgemeingültiges politisch abzuleiten, werden oft zu Unmenschen erklärt. Das “Nicht-sehn-wollen” wie die Realität beschaffen ist, wird zur Alltags- und Verdrängungsdoktrin. Einfachste Grundsätze wie das Zulassen von Verschiedenheit durch grösstmögliche Freiheit des Einzelnen oder  wie dasjenige, dass Rechte von Pflichten abhängen, auch Menschenrechte von Menschenpflichten, werden absichtlich nicht thematisiert, weil man sich dafür an den Alltagsmöglichkeiten und deren realistischer Umsetzung orientieren müsste. Dafür müsste jedoch die Ungleichheit der Menschen mit all ihren Konsequenzen viel mehr zugelassen- und viel weniger bewertet werden!

Aber nichts da: Wer die Wunschträume in Frage stellt, auf die Friktionen der Realität verweist, auf massive Probleme hinweist,  gilt schnell als Rechter. Das ist böswillig, verlogen und gefährlich.

Verlogen, weil es dabei absichtlich nicht darum geht, momentan politisch inkorrekte Meinungen und Haltungen nach zu vollziehen; böswillig weil so Menschen diffamiert,  mundtot und handlungsunfähig gemacht werden. Und; gefährlich, weil viele nicht merken, dass sie sich mit ihrem Ideal “für alle gleich”, welches sie politisch umgesetzt sehen wollen, in eine Ideologie verrennen.  Das hat weniger Meinungsäusserungsfreiheit und mehr mit Totelitarismus und Gleichmacherei zu tun.  Dies gilt es zu verhindern, auch wenn man dafür diffamiert wird.