Aber für jede(n) Einzelne(n).

Es lebe der kleine aber feine Unterschied im politischen Statement! Denn: Nicht alle sind gleich, aber alle sind verschieden:

Von Lukas Rüefli

 

Durch die Geschichte wurde mehr als klar, oft leidvoll und deutlich gezeigt: Gleichmacherei, Bevormundung, das Eindämmen der Freiheiten beispielsweise durch sozial verordnete Political Correctness zur Durchsetzung von Ideologischem bringt nicht Entfaltung, Wohlergehen und Wohlwollen, sondern kollektive Bewirtschaftung von Neid, Leid und Missgunst. Denn, was nicht gleich ist, wird’s auch nicht – weder durch die entsprechende Politik, noch durch ein entsprechendes System: Mehr Orientierung an Individuen, weniger an der Masse. Nicht für alle! Aber für jede(n) Einzelne(n) ist die Devise! Es lebe der kleine aber feine Unterschied im politischen Statement! Politische Entscheidungen würden demnach nach dem folgenden Leitmotiv gefällt: Grösstmögliche Freiheit nicht für alle, aber für jede(n) Einzlene(n). Denn nicht alle sind gleich, aber alle sind verschieden. Individuen nämlich mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten, Charaktereigenschaften, Anlagen, Talenten und vor allem mit ungleichen Auffassungen und Lebenszielen. Und: Alle sind selber gross.

Selbergrosse bestimmen selber

Deshalb steht der Demokratische Prozess vor statischem Recht, die direkte Demokratie vor dem Rechtsstaat. – Was oft durch die Rechtsstaatlichkeit untermauert wird, kann im Wesentlichen demokratiefeindlich, sogar äusserst gefährlich sein: Gesetzlich verankern lässt sich nämlich jeder Unsinn. Auch die grösste Menschenfeindlichkeit kann per Gesetz beschlossen- und zum Recht werden. Jeder Halunke kann sich auf das Gesetz berufen, solange seine Taten nicht gegen geltendes Recht verstossen. Dass Gesetze systemspezifisch richtig sind, heisst nicht, dass sie auch gerecht sind. Eine Rechtsordnung kann unfair, nicht gerecht, verheerend – gar von unsäglichem Grauen ausgestaltet sein und ins menschliche Desaster führen. Aktuell gibt es leider mehr als genügend Beispiele und: Im zweiten Weltkrieg haben sich vor allem unangepasste Menschen gegen das Regime und damit gegen das damalige Rechtssystem gestellt. Die Angepassten verhielten sich gemäss dem damaligen politischen Mainstream korrekt. (Vgl.: Ervin Staub in: Allan Guggenbühl: “Alle haben sich so lieb”, Weltwoche 0309)

Habermas spricht in diesem Zusammenhang nicht mehr vom “handelnden Menschen”, sondern vom “hantierenden Menschen” und macht damit auf die heute bereits weit fortgeschrittene Versystematisierung des Lebens bzw. auf die Verdinglichung der Menschen und auf die Vermenschlichung von Systemen aufmerksam. Selbstredend lassen sich Systeme ebenso wenig vermenschlichen, wie sich Menschen verdinglichen lassen – und jeder Versuch, dies zu tun, endet in der Unmenschlichkeit. Es gilt zu bedenken, dass der Fortschritt noch so gross- ein System noch so raffiniert und ausgeklügelt sein kann: Dinge, auch Systeme können weder etwas tun, noch eine Meinung haben, geschweige denn, sich für eine Überzeugung einsetzen. Sie können nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden, es ist ihnen keine Moral inne. Für unser eigenes Tun ist entsprechend weder ein System, noch ein Experte mit seinen Ratschlägen verantwortlich, sondern wir als Handelnde selbst.

 

  • Systeme ersetzen menschliches Handeln nicht, weil ihnen kein Moment der moralischen Reflektion inne wohnt.

Deshalb braucht es stets die offene Diskussion, die Freiheit für jeden Einzelnen, hinterfragen zu dürfen, die freie Meinungsäusserung und Rede und den Wettbewerb des besten Argumentes wie ihn bereits Sokrates beliebt gemacht hat.  Die richtige Handlung muss stets von Neuem errungen werden. Es ist ontogenetisch etwas grundlegend Verschiedenes, ob jemand aus freien Stücken also in Freiheit aus Eigenverantwortung und Verantwortung gegenüber andern auf eine bestimmte Art handelt oder ob jemand etwas tut, da es durch das Gesetz vorgeschrieben ist! Wenn nun Bürger, die das freie Individuum vor den Rechtsexperten und vor das Rechtssystem stellen, als unhöflich, unflätig, inakzeptabel und schliesslich minder und herablassend als laienhaft gebrandmarkt werden, dann wirkt hoffentlich folgender Satz für Freiheitsliebende besonders tröstend:

  • Nicht die Existenz von Laien schafft Experten, sondern das Vorhandensein von Experten stempelt alle übrigen Mitglieder eines Sozialverbandes zu Laien.

Dieser Zusammenhang soll Hilfe und Aufmunterung sein, die Herausforderung anzunehmen, als Laie mit der akribischen Art des Sokrates nachzufragen, nachzuempfinden, nachzudenken und schliesslich zu beurteilen, um die eigene Stimme allenfalls auch gegen die gängigen Expertenmeinungen zu erheben und dort aufzubegehren, wo es nach eigenem Dafürhalten als für nötig erachtet wird.

 

Prozession

Zur heute alltäglichen Realitätsverweigerung (zu) vieler Beamter, Geisteswissenschaftler, Lehrpersonen und Politikerinnen. Und: Zu deren schlimmen Folgen für das Zusammenleben verschiedener Menschen. Stichwort Heterogenität.

Von Lukas Rüefli

 

Es scheint, als ob die Orientierung an der Wirklichkeit heute ein Zeichen für „Menschenfeindlichkeit“ im Allgemeinen und „Menschenrechtsfeindlichkeit“ im Speziellen geworden ist. Alexander Meschnig schreibt: “Der Gesinnungsethiker darf jederzeit realitätsfremde Maximalforderungen und abstrakte Ideale wie eine Monstranz vor sich her tragen”. – Tatsächlich kommts einem wie eine Prozession vor; wer ihr folgt ist gut – politisch korrekt – halt, wer aber inne hält oder ausschert, die Richtung wechselt ist nicht gut, sondern beispielsweise ein  Menschrechtsverweigerer.  Abwägende Denker, die Ideen an der Realität abgleichen, um daraus gesellschaftlich Funktionierendes, Allgemeingültiges politisch abzuleiten, werden oft zu Unmenschen erklärt. Das “Nicht-sehn-wollen” wie die Realität beschaffen ist, wird zur Alltags- und Verdrängungsdoktrin. Einfachste Grundsätze wie das Zulassen von Verschiedenheit durch grösstmögliche Freiheit des Einzelnen oder  wie dasjenige, dass Rechte von Pflichten abhängen, auch Menschenrechte von Menschenpflichten, werden absichtlich nicht thematisiert, weil man sich dafür an den Alltagsmöglichkeiten und deren realistischer Umsetzung orientieren müsste. Dafür müsste jedoch die Ungleichheit der Menschen mit all ihren Konsequenzen viel mehr zugelassen- und viel weniger bewertet werden!

Aber nichts da: Wer die Wunschträume in Frage stellt, auf die Friktionen der Realität verweist, auf massive Probleme hinweist,  gilt schnell als Rechter. Das ist böswillig, verlogen und gefährlich.

Verlogen, weil es dabei absichtlich nicht darum geht, momentan politisch inkorrekte Meinungen und Haltungen nach zu vollziehen; böswillig weil so Menschen diffamiert,  mundtot und handlungsunfähig gemacht werden. Und; gefährlich, weil viele nicht merken, dass sie sich mit ihrem Ideal “für alle gleich”, welches sie politisch umgesetzt sehen wollen, in eine Ideologie verrennen.  Das hat weniger Meinungsäusserungsfreiheit und mehr mit Totelitarismus und Gleichmacherei zu tun.  Dies gilt es zu verhindern, auch wenn man dafür diffamiert wird.

 

Mitmenschlichkeit kann nicht erzwungen werden  – Solidarität schon.

Von Lukas Rüefli

 

Politisch verordnete Solidarität über die Grundbedürfnisse, den Schutz und die Würde der Einzelnen hinweg ist ungut. Dass dies viele PolitikerInnen noch immer nicht wahrhaben wollen, ist nicht nur schade, sondern auch schädlich. Denn verordnete Solidarität entsteht nicht aus einer inneren Haltung und Überzeugung der Einzelnen. Sie fliesst nicht von Mensch zu Mensch, sondern ist politisch vorgeschrieben und verpflichtend. Deshalb muss sie verwaltet und durchgesetzt werden. Daran wachsen Verwaltung und Administration – nicht aber die Menschen, weder diejenigen, welche gezwungen sind zu geben, noch diejenigen, welche empfangen.

Denn Mitmenschlichkeit kann nicht erzwungen werden. Aber eine Gesellschaft kann so ausgestaltet werden, dass der Einzelne aus eigenem Willen durch Mitgefühl, eigenständig und in Freiheit solidarisch handeln kann. Daraus entstünde eine echte Gemeinschaft von Innen, lebendig, prozesshaft – ein Ideal, dem sich Menschen, die in einer liberalen Gesellschaft leben möchten, immer wieder neu anzunähern versuchen müssen. Das heisst für die Politik: Weniger statischer, lebloser Gesetzesparagraph und mehr Mut zu Prozesshaftigkeit und Freiheit. Weg vom Zwang und hin zur Möglichkeit. Nur daraus entsteht solidarisches Handeln aus freien Stücken. Es ist nämlich ein für eine Gemeinschaft ausschlaggebender und grundsätzlicher Unterschied, ob sich die Menschen eigenständig und in Freiheit zu solidarischem Handeln entscheiden oder ob ihnen Solidarität aufgezwungen wird.